Home » Vortrag des Gästeabends vom 10.3.2016 Thema „Tradition und Moderne“

Freimaurerei zwischen Tradition und Moderne.

Die Freimaurerei war im Laufe ihrer Existenz einer Vielzahl von Beeinflussungsversuchen ausgesetzt. Die Meisten dieser Versuche führten zu einer Abspaltung von Gruppen aus dem Kreise der Freimaurer.

Die überwiegende Zahl dieser abgespalteten Gruppen sind relativ schnell wieder verschwunden. Um einen –zumindest oberflächlichen- Überblick über die Tradition der Freimaurerei und die Beeinflussungsversuche auf diese Tradition zu erhalten, muss ich im Folgenden auf einige der Initiatoren und Richtungen dieser Beeinflussungen eingehen. Dies kann leider nicht so umfassend erfolgen, wie es geboten wäre, sonst kämen wir heute aus zeitlichen Gründen sicher zu keiner Diskussion.

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Geheimbünde sind keine Erfindung der Neuzeit. Schon im Römischen Reich der Soldatenkaiser hatten die Mysterienkulte mit ihren geheimen Riten wie dem Mithras-, Christen-, oder Isis-Kult Konjunktur in Zeiten von Zweifeln, Unruhen, Bürgerkriegen. Dies hat sich bis heute nicht verändert. Der Wunsch nach einem festen Fundament, einer Gruppe von Gleichgesinnten, bewegt viele Menschen.
Nicht zufällig sprechen Mozarts „Zauberflöte“ oder die amerikanische Erklärung der Menschenrechte vom „Menschenglück“ (the pursuit of happiness). Beide sind mit freimaurerischem Hintergrund verfasst.
Der Reiz der von Geheimbünden ausgeht liegt im Wunsch, zu der Elite der „Wissenden“ dazugehören zu wollen. Einem Bündnis anzugehören. Die sehr emotionalen Initiationsriten zu erfahren festigen dieses Bündnis. Von einem diskreten Bund als Mitglied auserwählt zu sein heißt: Du bist nicht mehr allein. Es gibt Regeln und Richtlinien, die das Leben einordnen. Man bekommt Rat, Schutz und Obhut in allen Lebenslagen und ist in einer Gemeinschaft Gleichgesinnter aufgehoben. Zusammengeschmiedet durch geheimes Wissen und Erfahren.

Diese sind einige der Gründe, die der Freimaurerei seit Jahrhunderten regen Zulauf bescheren. Die Instrumente, die dazu nötig waren haben sich bis heute kaum verändert.

Der Wunsch nach Konstanz und Sicherheit zeigt sich hauptsächlich in der Tatsache, dass die Freimaurerei immer noch ein Geheimbund ist. Die Arkandisziplin und Verschwiegenheitspflicht der Freimaurer in Bezug auf die Identität der Brüder und die damit verbundene Sicherheit, soll die Herzen für die freien Ideen und den Meinungsaustausch öffnen.

Im Laufe der Jahrhunderte, die die Freimaurerei existiert, hat es –wie bei jeder anderen Bewegung auch- immer wieder Ausbruchsversuche und Abweichungen vom ursprünglichen Weg der Freimaurerei gegeben. Diese fanden interessanterweise zunächst häufiger in Richtung der strengeren Auslegung der freimaurerischen Regeln und Gebräuche, als in Richtung der Öffnung statt.

Nachfolgend seien nur einige wenige aus der Vielzahl der Abspaltungen erwähnt.

1760 gründete sich im Umfeld der Freimaurerei der erste Orden der Gold- und Rosenkreuzer, der mit Mystizismus, Irrationalismus und Illuminismus einen Gegenpol zur Aufklärung bilden wollte. Damit entfernten sich die Rosenkreuzer recht weit von den aufklärerischen Freimaurern. Der Orden der Rosenkreuzer existierte nur bis 1787, erlebte aber in dieser Zeit regen Zulauf von Freimaurern gerade aus gesellschaftlichen höheren Schichten bis hin zum König Friedrich Wilhelm II. Erst 1865 lebte der Rosenkreuzerorden im Umfeld von theosophischen und hermetischen Gruppen wieder auf, hat aber nie die Bedeutung zurück erlangt, die er in den gut 25 Jahren seiner Blüte hatte. Rosenkreuzer gibt es noch heute vereinzelt.

1751 entwickelte sich die strikte Observanz. Ein Hochgradsystem, dass sich einem unbekannten Orden unterwarf und seine Wurzeln auf die Templer zurückführte. Auch GNML zu den drei Weltkugeln schloss sich der strikten Observanz an. Die Strikte Observanz war in machtpolitische und ökonomische Ränkespiele verstrickt, quasi-militärisch organisiert und übernahm statt des aufklärerischen, den elitären Part ständepolitischer Interessen.

1776 gründete Adam Weishaupt den Illuminatenorden. Die erste Bewegung im Umfeld der Freimaurerei, die bewusst und offen zu eindeutig definierten politischen Zielen stand. Weishaupt verstand die Ziele der Rosenkreuzer als Unterwanderung der aufklärerischen Bewegung und verfolgte eine Vision der politischen Ordnung ohne Privateigentum und Autoritäten, was in letzter Konsequenz wohl als Anarchismus bezeichnet werden kann.

Diese und eine unübersehbare Zahl anderer Geheimbünde mit den unterschiedlichsten Zielen gründeten sich im Umfeld der Freimaurerei .

Teilweise waren die Abspaltungen und Richtungen, die verfolgt wurden regelrecht skurril. Erwähnt sei in diesem Zusammenhang z.B. der „Mopsorden“. Eine Richtung der Freimaurerei, die 1740 vom Kurfürst Clemens August gegründet wurde. Die Neuaufgenommenen mussten an der Tür kratzen, Hundehalsbänder tragen und wurden von den alten „Möpsen“ mit lauten Gebell empfangen um ihre Nervenstärke zu testen.

Allen gemeinsam ist, dass sie nach relativ kurzer Zeit wieder verschwanden oder in der Bedeutungslosigkeit versanken. Die Vielzahl der unterschiedlichen und teils merkwürdigen Zeile und Rituale und das Geheimnisvolle, dass diese Bewegungen begleitet, sorgen bis heute immer wieder dafür, dass die Freimaurerei mit vielen Vorurteilen belegt ist, die nur schwer zu widerlegen sind. Schließlich steckt in all diesen Vorurteilen auch ein wahrer Kern.

Zwei weitere Organisationen aus dem Umfeld der Freimaurerei sollen nicht unerwähnt bleiben. Beide wurden mit dem Wunsch nach einem Ausbruch aus den starren Regeln der Freimaurerei gegründet.

Zum Einen die Rotarier, deren Ziele denen der Freimaurer hauptsächlich in einer aggressiver Verfolgung beruflicher und geschäftlicher Beziehungsaufnahme widersprechen. Die Rotarier beschreiben ihre Ziele folgendermaßen:

„Das Ziel von Rotary besteht darin, das Ideal des Dienens als Grundlage des Geschäfts- und Berufslebens zu fördern, indem seine Mitglieder:

  1. freundschaftliche Beziehungen entwickeln, um sich anderen nützlich zu erweisen
  2. hohe ethische Grundsätze im Geschäfts- und Berufsleben verwirklichen, den Wert jeder nützlichen Tätigkeit anerkennen und die berufliche Tätigkeit jedes Rotariers als Möglichkeit zum Dienst an der Gesellschaft würdigen
  3. das Dienstideal in der privaten, beruflichen und öffentlichen Tätigkeit jedes Rotariers verwirklichen
  4. Völkerverständigung und Frieden durch eine im Ideal des Dienens vereinte Weltgemeinschaft aus beruflich erfolgreichen Frauen und Männern fördern.“

Zum Anderen der Lions Club, der ähnliche Ziele und Einstellungen wie die Freimaurerei und die Rotarier verfolgt, im Gegensatz zu den Rotariern aber keine geschäftlichen Verbindungen unterstützt.

Trotz der äußeren Einflüsse auf die Freimaurerei und der Abspaltungen von Gruppen aus den Kreisen der Freimaurer, hat sich der Kern und die Ziele der Freimaurerei bis heute nicht verändert. Nach wie vor werden die gleichen Rituale durchgeführt, die schon vor über 200 Jahren praktiziert wurden. Immer noch ist es das Ziel freier Männer sich mit der Unterstützung Gleichgesinnter zu verbessern und anderen die gleiche Unterstützung zu bieten.

Eine Bewegung bzw. Veränderung der Freimaurerei zwischen Tradition und Moderne hat es also nie gegeben, wenn man die Entwicklung von diesem Standpunkt aus betrachtet.

Massive Veränderungen hat die Freimaurerei in der Struktur ihrer Mitglieder erfahren. Es ist nicht mehr erforderlich zur Spitze der Gesellschaft zu gehören, um Freimaurer sein zu können. In so weit hat sich die Freimaurerei tatsächlich eher zu ihren Wurzeln zurück entwickelt.

Veränderungen ist die Freimaurerei natürlich auch in der Kommunikation nach innen, wie auch nach außen unterworfen. Sei es das Internet, das Radio, Fernsehen oder Bücher. Wer etwas über Freimaurer und das was diese so treiben erfahren will, kann mit geringst möglichen Aufwand heute alles finden. Das Versenden von Protokollen, Einladungen oder anderen Nachrichten via Email ist selbstverständlich geworden. Musik wird von der CD eingespielt und Arbeitspläne werden Online zur Verfügung gestellt.

Diese Veränderungen sind sinnvoll und nicht zu umgehen. Sie sind so folgerichtig, wie die Tatsache, dass wir nicht mehr mit der Pferdekutsche, sondern mit dem Auto zur Loge fahren.

Gleichzeitig müssen wir aber feststellen, dass die Darstellung der Freimaurerei in der Öffentlichkeit sich den modernen Mitteln anpasst. Dies ist teilweise recht vernünftig, teilweise auch zum Schaden der Freimaurerei.

Wir nutzen heute in sehr starkem Maße das Internet zur Außendarstellung. Fast alle Logen haben eine eigene Webseite, einige sind bei Facebook vertreten, in öffentlichen Foren wird öffentlich diskutiert. Auch wenn diese meist so gestaltet sind, dass sie die Freimaurerei nicht „entzaubern“.

Dem gegenüber stehen aber auch die negativen Seiten der Außendarstellung bzw. der Internetnutzung, z.B. Freimaurerwiki, in dem keine Rücksicht auf freimaurerische Prinzipien genommen wird, oder Plattformen in denen der Austausch von Informationen auf niedrigem Niveau geschieht. Es versteht sich von selbst, dass dieser Exibitionismus abgelehnt werden muss. Er beraubt wahrhaft Interessierte, indem er Dinge vorwegnimmt, die zu erfahren mit einem emotionalem Erlebnis zusammen hängen.

Dieses Phänomen ist aber nicht neu, sogenannte Verräterschriften und Pamphlete existieren schon seit Anbeginn der Freimaurerei, sie haben in gewisser Weise immer negativen Einfluss auf die Freimaurerei ausgeübt. Angriffe auf die Freimaurerei durch gezielte Diffamierungen hat es auch schon immer gegeben, siehe Taxil, Ludendorff, die katholische Kirche. Diese waren aber nie mit einer solchen Leichtigkeit zu verbreiten, wie das heute der Fall ist.

Trotz allem fanden Logengründungen und Aufnahmen neuer Brüder zu allen Zeiten statt.

Unsere Johannisloge „Teutonia zur Weisheit“ fühlt sich den alten Traditionen und Werten verbunden wie sie in den „Alten Pflichten“ von 1723 verankert sind. Ebenso berufen wir uns auf die Tradition unserer Mutterloge, der „Großen National Mutterloge zu den drei Weltkugeln“. Wir sind der Gegenwart und der Zukunft nicht abgeneigt. Wir nehmen aber nicht blindlinks alles an, sondern Prüfen und wenn wir es für gut und richtig befinden, machen wir es uns zu Eigen. Eine Anpassung an den Mainstream liegt uns fern.

Wenn wir Ihr Interesse wecken konnten, lieber Leser, dann scheuen Sie sich nicht uns anzuschreiben.