Sterbehilfe

Um über Sterbehilfe zu reden, müssen wir zunächst einmal den Begriff als solchen verstehen. 

Wikipedia sagt dazu:

Sterbehilfe ist ein mehrdeutiger Begriff mit einem breiten Spektrum von Bedeutungen (Hilfe im oder zum Sterben).

Je nach Zusammenhang kann damit Hilfe gemeint sein, die man eindeutiger als Sterbebegleitung bezeichnen kann. Das Beenden einer lebenserhaltenden Therapie, wenn keine Aussicht auf Heilung einer tödlichen Krankheit mehr besteht, kann ebenso darunter verstanden werden, wie der assistierte Suizid oder eine Tötung auf Verlangen. Als Sterbehilfe werden vielfach nicht nur Handlungen bezeichnet, die an unheilbar Kranken im Endstadium wie beispielsweise Krebspatienten vorgenommen werden, sondern auch solche an schwer Behinderten, Menschen im Wachkoma, Patienten mit Alzheimer-Krankheit oder Locked-in-Syndrom, bei denen der Tod möglicherweise noch lange nicht eintritt und bei denen das Einverständnis des Betroffenen nicht eingeholt werden kann.

Sterbehilfe ist schließlich auch bei einem völlig gesunden Menschen denkbar, der durch eine enttäuschte Liebe oder andere für ihn subjektiv gravierende Lebensumstände suizidal ist. Die ethische und rechtliche Bewertung ist in den aufgezählten Situationen unterschiedlich, weswegen andere Begrifflichkeiten zur Differenzierung sinnvoll sind.

Die Begriffe Sterbehilfe und Euthanasie werden in anderen Ländern oder Sprachen zum Teil gleichbedeutend verwendet, in Deutschland aber wird die Bezeichnung Euthanasie wegen des euphemistischen Gebrauchs dieses Wortes durch die Nationalsozialisten heute weitgehend vermieden.

Es stellt sich die Frage:

Ist die Sterbehilfe und ärztliche Beihilfe zu einem Suizid eine Grenzüberschreitung in unserer Gesellschaft, oder sehen wir sie als eine gebotene Hilfe und einen legitimen Ausweg für Schwerstkranke an?

Ist nicht eher die Angst vor Vereinsamung, Abhängigkeit und Pflegebedürftigkeit ein Grund für diesen, bei vielen Menschen, ethisch fraglichen Weg? 

Der Tot ist Teil unseres Lebens. Deshalb versucht die Freimaurerei ihn mittels Gefühl und Verstand zu integrieren. Schon bei der Aufnahme wird durch ein Symbol der Vergänglichkeit darauf hingewiesen, dass wir sterben müssen. Im Laufe des freimaurerischen Lebens tauchen immer wieder Zeichen der Vergänglichkeit auf, um den Bruder darauf hinzuweisen, dass er nur Gast auf der Erde ist.

In einem höheren Grad wird die Auseinandersetzung mit der eigenen Sterblichkeit zu einem zentralen Element. Sich daran zu erinnern, dass das Leben nunmal endlich ist, man aber nie genau weiß, wann es endet, kann zu einem bewussteren Leben führen. Zahlreiche Symbole der Freimaurerei erinnern daran.Das Ziel ist die Furcht vor dem Tod zu verlieren, ohne die Ehrfurcht zu vernachlässigen.

Wenn ein Bruder stirbt, wird in einer Trauerloge seiner gedacht. 

Über konkrete Jenseitsvorstellungen sagt die Freimaurerei nichts, sondern überlässt diese, genau wie die Religionsfrage jedem einzelnen Bruder. 

Nun hat der Tod zwar unmittelbar und unwiederbringlich mit dem Sterben zu tun, er lässt sich aber dennoch gesondert betrachten.

Bruder Lessing hat diese Dualität ziemlich genau in seinen „Gespräche für Freimaurer“ auf den Punkt gebracht.

„Tot sein, hat nichts Schreckliches; und insofern Sterben nichts als der Schritt zum Tot sein ist, kann auch das Sterben nichts Schreckliches haben. Nur so und so sterben, eben jetzt, in dieser Verfassung, nach dieses oder jenes Willen, mit Schimpf und Marter sterben: kann schrecklich werden, und wird schrecklich.“

Es ist also der Weg zum Tod, der oftmals Ängste birgt und fürchterlich zu sein scheint.

Diesen beschwerlichen Weg, zu dem oft wenig Zeit bleibt, hat Elisabeth Kubler-Ross, eine der Wegbereiterin in der Sterbebegleitung, in vielen Gesprächen mit Sterbenden studiert und die Auswirkungen auf den Sterbenden bzw. dessen Umgebung beschrieben.
In ihrem Phasenmodell, fasst sie diese Untersuchungen zu fünf charakteristischen Verhaltensweisen zusammen. Dabei ist unbedingt zu beachten, dass diese Abschnitte nicht streng chronologisch, sondern immer individuell unterschiedlich verlaufen, Stufen übersprungen, weggelassen oder nach einem „Rückfall“ mehrmals erlebt werden.
Sie beschreibt die:

  1. Phase der Verleugnung („Nein, nicht ich!“- Stufe):
  2. Phase der Auflehnung und Aggression („Warum ich!“- Stufe):
  3. Phase des Verhandelns („Ja, es trifft mich, aber…“- Stufe):
  4. Phase der Depression („Ja, ich!“- Stufe):
  5. Phase der Akzeptanz: Der Sterbende kann nun seinem Tod in vollem Maße zustimmen.

Wenn nun alle diese Phasen, teils auch mehrfach durchlitten sind, bleiben als einziges Hindernis vor dem Sterben noch Schmerzen.

Um diese zu lindern und erträglich zu machen, wurden in den letzten Jahrzehnten extreme Investitionen in die Palliativmedizin getätigt, mit der Folge, dass es in beinahe allen Fällen inzwischen möglich ist, die Schmerzempfindungen sterbender deutlich zu reduzieren.

Somit kann zumindest die Angst vor den Schmerzen beim Sterben als Todeswunsch ausgeschlossen werden.

Auch wenn dieser Grund wegfällt, bleiben doch viele vorstellbare Gründe sich den Tot zu wünschen. Sei es der Wunsch nach Selbstbestimmung, Stolz, die Angst vor Hilflosigkeit, die Sinnlosigkeit eines Lebens im Krankenbett oder was auch immer. 

Viele von uns werden den Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben und Sterben teilen und unterstützen. 

Was bleibt ist die Frage, wie weit die Selbstbestimmung gehen darf.

Was ist Menschen, die in scheinbarer Ausweglosigkeit stecken? Sei es durch Depression, durch Schmerzen, die nicht behandelt oder gelindert werden können, wie z.B. Cluster Kopfschmerzen, dadurch dass sie alles verloren haben, für das es sich ihrer Meinung nach zu leben lohnte oder ganz einfach aus Liebeskummer?

Einige werden sich in Suizide flüchten. Einige werden scheinbar Suizidversuche unternehmen, die in Wirklichkeit ein Schrei nach Hilfe sind.

Wenn der Wunsch nach nach dem Tod durch Sterbehilfe unterstützt wird, grenzt das dann nicht schon an Mord? Und wenn nicht pauschal, welche Gründe für den Sterbewunsch sind dann unterstützenswert und welche abzulehnen und wer entscheidet das?

Wer von euch kann vorab sagen, Sterbehilfe zu befürworten?